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PS-DUELL  HS Nardo 650

Bericht: Autotuning Ausgabe 4/07

Internet: www.autotuning.de

 

  

Wenn ein 650 PS A4 gegen einen 580 PS V12 Lamborghini antritt, fliegen die Fetzen. High Noon auf der Runway!

Schwarz, breit und respekteinflößend füllt der schwarze Lamborghini Murciélago meinen Rückspiegel. Wie eine knurrende Riesen-Dogge, die nur darauf wartet, meinem A4 ins Bein zu beißen. Endlich öffnet sich vor mir ein Schiebetor und ich flüchte mich mit dem A4 auf das Vorfeld. Der Lambo folgt dicht hinter mir. Dort wartet schon unser persönliches „Follow-Me Car“. Langsam kriecht es vor uns her und bringt uns an eine Ecke des Augsburger Flughafens, an de wir erstmal niemandem im Weg sind. Wir steigen aus, begrüßen uns. Mein Gegner am Steuer des Murciélago ist Koch am Bayrischen Hof – Wolfgang Beusch. Er ist außerdem mehrfacher Ferrari-Besitzer und fährt mit seinem Lambo jeden Tag, sogar zum Einkaufen. Außerdem hat er eine Werkstatt für italienische Super-Sportwagen. Noch während ich mir  das auf der Zunge zergehen lasse, startet 100 Meter weite eine zweitstrahlige Citation ihre Triebwerke und macht eine ausgiebige Volllastprobe. Wir verstehen unser eigenes Wort nicht mehr und verdrücken uns in unsere Autos. Im Vorbeigehen werfe ich einen Blick vorbei an den originalen Lambo-Doors n den Innenraum. Mir glitzert eine offene Schaltkulisse entgegen. Fein, er hat  kein sequentielles Getriebe – aber  eine Launch-Control. Doch die wird ihm nichts nützen – hoffe ich! Zwei Füße gegen ausgefuchste Elektronik. Dafür habe ich 70 PS mehr und einen Turbo, der untenraus vermutlich mehr Drehmoment hat.

                                                

 

Wolfgang Beusch ist Koch am                                                          Kurz vor dem Start ist dem Autotuning Bayrischen Hof, mehrfacher                                                             Redakteur am Steuer des HS650 nicht

Ferrari-Besitzer und fährt den                                                          nach Lächeln!

Lambo im Alltag!

 FERTIG – LOS!

Trotzdem, jetzt, wo wir über das Vorfeld Richtung Startbahn rollen werde ich plötzlich nervös. Was, wenn der mich einfach stumpf versägt? Der schwarze Keil in meinem Rückspiegel scheint mir obendrein noch verächtlich zuzulächeln. Neben mir sitzt der Chef der Flugsicherung mit Handfunkgerät. In einem Hangar-Tor sehe ich eine Traube Flugzeugmechaniker in weißen Overalls. Die wollen sich das Spektakel augenscheinlich nicht entgehen lassen. Zugegeben, ein Beschleunigungsrennen zwischen einem 580 PS Lambo und einem 650 PS A4 ist nicht gerade alltäglich. Am Ende von Rollweg Alpha stoppen wir kurz. Eine einmotorige Katana macht sich auf dem Rollweg nebenan abflugbereit. Aber die warten scheinbar lieber noch ein bisschen. Wollen sich unser Rennen ansehen. Wir bekommen per Funk die Freigabe, rollen auf die Bahn. Ich steuere den HS 650 auf die rechte Seite. Ist mir lieber, die Mittellinie links zu haben. Auf der anderen Seite nimmt der schwarze Kampfstier Aufstellung. Schon steht der Starter zwischen und  hebt die Arme – wir haben nicht viel Zeit. Um uns herum herrscht Flugbetrieb. Es wird erst. Vor mir 1250 Meter Asphalt, neben mir ein schwarzer Ungetüm, dass so schnell aussieht, das ich mir wie ein Lamm vor dem Schlächtern vorkomme. Jedesmal, wenn ich rübersehe. Wolfgang lächelt kurz und winkt. Ich lächle und winke etwas gequält zurück. Die Starter-Arme sind auf der Mitte. Der Gang ist drin, der Nardo schüttelt sich vor Ungeduld. Mit der Handbremse halte ich ihn im Zaun, denn ich habe die Kupplung schon leicht im Eingriff und halte den Motor mit etwas Gas am Leben. Bei der Nardo-Kupplung muss man aufpassen – eine Zicke sondergleichen. Dann brüllt der V6 des Nardo auf wie ein angriffslustiger Löwe – Start! Plötzlich läuft alles in Zeitlupe ab – fast als würde ich mir selber zusehen. Ich lasse die Handbremse los, trete das Gaspedal mit Gefühl durch, mach langsam die Kupplung zu. Meine Füße funktionieren tadellos. Der HS650 presst mich in die Sitzschale – jedesmal wieder ein geiles Gefühl. Vergessen ist der Murciélago neben mir. Ich lausche auf das anschwellende Grollen des Biturbos und halte den Audi mit kleinen Korrekturen am Lenkrad rechts von der Mittellinie. Keine Ahnung, wo der Lambo ist. Keine Zeit zum Nachsehen. Aus den Augenwinkeln verfolge ich den Zusatzdrehzahlmesser in der Mittelkonsole. Rechts oben, knapp über 7000 hat Alfons Hohenester einen weißen Strich mit dem Edding gemacht. Die Nadel schießt auf den Strich zu. Schalten! Mein linker Fuß schmettert das Kupplungspedal ungestüm aufs Bodenblech. Meine rechts Hand reißt den Schaltknüppel nach hinten. Der zweite hakelt etwas. Und wieder Vollgas! Geschafft! Ich entspanne mich ein wenig. Die Nadel fliegt wieder auf die 7000 zu. 7100… schalten! Ich riskiere einen Blick in das Gesicht meines Beifahrer- irgendwie unentspannt. Muss an der ungewohnten Beschleunigung liegen. Wo ist der Lambo? Vor mir ist er nicht. Neben mir ist auch nichts zu sehen! Ah! Da im Rückspiegel ist er! Habe ich einen Frühstart hingelegt! Der Abstand ist beachtlich. So weit weg sieht der Lambo gar nicht mehr so gefährlich aus. 7000 Umdrehungen, ab in den Vierten.

 SIEG

 Der Tacho eilt in Richtung 300, dann huscht ein Windsack an uns vorbei. Halbzeit, ca. 630 Meter. Es ist der vereinbarte Bremspunkt. Schade! Ich biege beim übernächsten Rollweg mit freudig wiehernden Reifen aufs Vorfeld ab. Kaum sind wir aus dem Weg, schleppt sich die Katana die Bahn entlang, hebt ab. Ich checke Öl- und Wasser Temperatur. Beide etwas über 90°, alles im grünen Bereich. Wir machen noch einen Lauf. Diesmal winke ich Wolfgang lächelnd zu. Er winkt zurück. Ich warte extra einen Moment länger, bis die Arme des Starters ganz sicher vollständig unten sind. Dann erst katapultiere ich den Nardo vorwärts. Wieder ein guter Start. Diesmal behalte ich den Lambo von Anfang an im Blick – im Rückspiegel. Doch aller guten Dinge sind drei- sagt man. Besser ich hätte nach zwei Dingen aufgehört. Mein Vorsprung war bei den bisherigen Läufen so groß, ich hätte beim letzten Lauf machen können, was ich wollte und wäre vorne gewesen. Nur das eine hätte ich nicht tun dürfen, die Kupplung zu späte zumachen Start! Der Nardo heult auf wie angestochenes Tier und bewegt sich kaum von der Stelle – die Kupplung rutscht! Oh verdammt nochmal! Der Lambo zieht an mir vorbei. Ich nehme den Fuß vom Gas, versuch’s sanft im Zweiten. Verloren… sie rutscht – zu heiß geworden! Hilflos und schäumend vor Wut starre ich in den zwei fetten und irgendwie schadenfroh röhrenden Endrohren des Lambo hinterher.

 

2 : 1

Trotz des vergeigten letzten Lauf’s es steht 2:1 für mich. Der HS650 hat den edlen Kampf-Stier aus Italien besiegt! Alfons, du hast ein unglaubliches Auto gebaut!

  

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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